Liebt Euch: Warum Distanz keine Nähe schafft

Ein früher Cappuccino in einem wundervollen Hotel am Bodensee. Seeblick, gutes Essen, Ruhe. Und um uns herum drei Paare aus drei Generationen, die eines verbindet: Sprachlosigkeit.

Drei Tische, drei Arten zu schweigen

Am ersten Tisch sitzt ein junges Paar. Jedes freundliche Wort von ihm wird abgebügelt, bis auch er schweigt. Sie sieht aus, als hätte sie in eine Zitrone gebissen, und er fühlt sich vermutlich wie selbige. Keine Freude. Keine Freundlichkeit. Keine Liebe.

Das Paar mittleren Alters schweigt so lautstark über seine gegenseitigen Vorwürfe, dass man das Schweigen fühlen kann. Ihre Frage, ob sie ihm etwas vom Buffet mitbringen soll, wird rüde abgewiesen. Keine Annäherung. Keine Berührung. Kein Vergeben.

Beim älteren Paar liest er im iPad, das, was früher die Zeitung war. Kein Gespräch über das Gelesene, keines über die Nachrichten auf ihrem Handy. Keine Zärtlichkeit. Keine Kommunikation. Kein Verständnis.

Der Himmel auf Erden, ungenutzt

Rund 2000 Kilometer entfernt leben Menschen im Krieg. Für Zärtlichkeit bleibt dort kaum Raum. Hier dagegen: Sicherheit, eine wunderschöne Aussicht und ein Mensch an der Seite, den man lieben darf. Und doch waren diesen Paaren ihre Vorwürfe wichtiger, als ihre Liebe zu leben. Schade eigentlich.

Distanz schafft Distanz

Wer sich zurückzieht, hofft oft, dass der andere dann den ersten Schritt macht. Distanz bewusst einzusetzen, um mehr Nähe zu bekommen, nennt man Taktieren. Die Basis des Taktierens sind Misstrauen und Angst, und beide bleiben, selbst wenn die Taktik aufgeht.

Denn dann nagt die Frage: Habe ich diese Nähe nur, weil ich sie mit Distanz erzwungen habe? Und gleich danach: Wann ist sie wieder vorbei? Den Anfang vom Ende hat die Angst damit schon eingeläutet.

Fragen, die weiterführen

  • Worauf richtet sich Dein Misstrauen: auf etwas bei Dir oder bei Deinem Partner?
  • Glaubst Du, Du hättest es nicht verdient, einfach so zu bekommen, was Du willst? Warum nicht?
  • Was ist Deine größte Angst in der Beziehung?
  • Was denkst Du über Deinen Partner, wenn er Dir gibt, was Du willst, vielleicht sogar ungefragt?
  • Was denkst Du über Dich, wenn Du ihn verführst? Und was über ihn, wenn er Dich verführt? Hängt dann ein Moralhammer über einem von Euch?

„Wird Sicherheit nicht zu bequem?“

Nur, wenn sie das Ziel ist. Ihr braucht eine Absicht, für die Sicherheit die Voraussetzung ist, sonst wird die Beziehung selbst immer wieder zum Problem.

Die größtmögliche Absicht: auf allen vier Ebenen (mental, emotional, körperlich, spirituell) die höchste von drei Intensitätsstufen zu leben. Nähe, Intimität, Verschmelzung. Das ist ein echtes Abenteuer. So erleben wir es zumindest.

Für dieses Wochenende

Hast Du Dich an einem der drei Tische wiedergefunden? Deinen Partner heute wortlos verabschiedet oder ihm Vorhaltungen gemacht? Dann gilt: Liebt Euch.

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Autor

Bild von Maria & Stephan Craemer
Maria & Stephan Craemer

Maria (Dipl. Psychologin) & Stephan Craemer (Dipl. Soziologe) sind Gründer der Erfüllungs GmbH als auch Urheber des Contextuellen Coaching® und Contextuellen BusinessCoaching®; Contextuelle Coaching Technologie® genannt.

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